Im Wintersemester 2001 (3. Semester) habe ich das Praktikum Entwurfspräsentation belegt, für das es Bedingung war, am Schinkelwettbewerb zum Kulturforum Berlin teilzunehmen. Im Folgenden stelle ich Ihnen anhand meines damaligen Erläuterungsberichtes und der Entwurfspläne meine Wettbewerbsarbeit vor.
Erläuterung zum Entwurf:
Das Kulturforum in Berlin ist, trotz seiner großen kulturellen
Bedeutung, weder von Berlinern noch von anderen Besuchern bis heute wirklich
akzeptiert.
In zahlreichen Wettbewerben sollte eine neue, bessere und interessantere Gestaltungsmöglichkeit
gefunden werden, doch bis jetzt scheint noch keine Lösung gegeben zu
haben, die alle restlos begeistert. Der Platz als solcher wird nicht genutzt
und die Staatsbibliothek wird räumlich durch die Neue Potsdamer Straße
von den restlichen Gebäuden getrennt. So wurde ein neuer Wettbewerb gestartet,
an dem ich mich mit einer Arbeit beteilige, von der hier jetzt die Rede sein
soll.
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Im Vorfeld meiner Anstrengungen habe ich mich natürlich
auf der betreffenden Fläche umgeschaut und auf den anschließenden
Bereichen. Dabei verstärkte sich bei mir immer mehr der Eindruck, Berlin
sei ein riesiges Labyrinth. Daher mein Ansatz, den labyrinthartigen Stil auf
dem Kulturforum weiterzuführen.
In einem Raster habe ich aus Hecken (z.B. Liguster, da recht pflegeleicht
und dichtwachsend) von maximal 8m Länge ein weitmaschiges Labyrinthsystem
angelegt, das wie ich hoffe die Neugier des Besuchers weckt und ihn einlädt
das Kulturforum, mit allem was es zu bieten hat, zu erkunden.
Die Hecken sind durcheinander von unterschiedlicher Höhe, sodass der
Raum auch höhenmäßig gestaffelt wird. Entlang einiger der
höheren Hecken stehen Holzbänke, die den Besucher zum Verweilen
einladen.
Das ganze Heckensystem ist an einer Linie ausgerichtet, die vom Potsdamer
Platz in Richtung des Kulturforums verläuft und somit die Verbindung
dahin darstellen soll.
Die gesamte Platzbeleuchtung wird über von unten angestrahlte gelb-orange
Glasstreifen von 20cm Breite sichergestellt, die in etwa 10cm Entfernung von
den Hecken an ihnen entlang im Boden verlaufen. Damit dürfte das Forum
auch bei Nacht einen „warmen“ Eindruck machen.
Eine weitere Auflockerung erfährt mein Entwurf durch die in Gruppen angeordneten
Bäume. Meine Empfehlung ist Ficus carica (Feigenbaum), der auch bei uns
winterhart ist und auch wenn er bis zum Boden zurückfriert immer wieder
neu austreibt. Ich bin für diese Pflanze, da der Feigenbaum im Italien
der Antike im Forum Romanum als Symbol für Frieden und Überfluss
angepflanzt wurde.
Mein anderer Vorschlag ist Elaeagnus ebbingei, die wintergrüne Ölweide,
die als magischer Baum in China für Unsterblichkeit steht, um nur mal
einen kleinen Blick auf die Symbolik der Pflanzen zu werfen.
Diese beiden Pflanzenarten wachsen in eher strauchiger Form, um eine Verdeckung
der eher niedrigen Gebäude zu vermeiden.
Mein Entwurf sieht eine Belegung des Platzes mit sandfarbenen Granitplatten
von 50x50cm vor, was einen schönen Kontrast zum satten Grün der
Hecken bildet und die „Wärme“ der Forums am Tage sichern
soll. Die Kombination aus Platten, Bäumen und Hecken vermittelt dem Besucher
einen Eindruck von Natur und Landschaft.
Auch die Piazetta ist mit diesen Platten ausgestattet. Auf ihr befindet sich
ein kleiner Pavillon mit Freisitzen, um den Besuchern einen Imbiss zu ermöglichen.
Zur Überwindung des Höhenunterschiedes zu den Eingängen der
Museen habe ich über die ganze Länge verlaufende Freitreppen im
gleichen Material wie der Plattenbelag vorgesehen.
Auf der heckenfreien Fläche direkt vor der Piazetta könnten gesellschaftliche
Ereignisse stattfinden, z.B. Lesungen junger Künstler oder Freiraumkunst.
Weiterhin dachte ich mir, man sollte in den Ecken der Hecken Kunstwerke junger,
unbekannter Künstler aufstellen und sie somit einem breiten Publikum
zugänglich zu machen.
Um die räumliche Trennung des eigentlichen Kulturforums und der Staatsbibliothek
entgegenzuwirken habe ich meine Heckenstruktur auch auf die Fläche vor
der Bibliothek ausgedehnt und hoffe so, wenigstens visuell, wieder eine Einheit
zu schaffen.
Die Dichte des „Labyrinthes“ wird in den Piktogrammen deutlich.
Die roten Flächen symbolisieren den Bestand mit Hecken und die unterschiedlichen
Farbstärken eine unterschiedliche Dichte. Außen ist das System
dichter, um eine gewissen Abschirmung zu den angrenzenden Flächen zu
schaffen, nach innen aber öffnen sie sich zum Platz hin und finden sozusagen
ihren Höhepunkt in dem unbepflanzten Bereich direkt zu Füßen
der Piazetta.
Die von mir gewählte recht einfache Gestaltung des Platzes soll die Außergewöhnlichkeit
der umstehenden Gebäude betonen und ihnen keinesfalls den „Glanz“
rauben.